Mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurden auch in Tirol alle bestehenden Künstlervereinigungen und -bünde aufgelöst. Künstler waren angehalten, der Reichskammer der bildenden Künste, der sog. Reichskunstkammer, als einziger verbindlicher Standes- und Berufsvertretung beizutreten. Doch nur wer einen „Ariernachweis" erbringen konnte, als „politisch zuverlässig" galt und „arteigene" Kunst produzierte, konnte als Mitglied an den offiziellen Gau-Kunst-Ausstellungen von 1940 bis 1944 teilnehmen. Vor diesem Hintergrund beleuchtet die Ausstellung die öffentliche Kunst ebenso wie deren „Betriebssystem" zur Zeit des Nationalsozialismus in Tirol: v.a. Ausstellungswesen, Reichskunstkammer und Geschichte des Ferdinandeums. Im Fokus steht die thematische Analyse der in den Gau-Kunst-Ausstellungen gezeigten Kunstwerke Tiroler und Südtiroler Künstler. Weitere Schwerpunkte bilden Heimatfotografie und Architektur, am Beispiel des 1938/39 errichteten Gauhauses, dem heutigen Landhaus. Werke verbotener, vertriebener und internierter Künstler werden ebenso berücksichtigt. In einem eigenen Bereich wird das Schicksal des Kufsteiner Malers und Radierers Harald Picken dargestellt, der von 1939 bis 1945 als politischer Häftling auch in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau interniert war. In seinen Radierungen, Zeichnungen und Skizzen hat der Künstler das Grauen im Konzentrationslager festgehalten. Mit in die Ausstellung eingebunden sind zeitgenössische Kunst-Kommentare von Martin Gostner, Tatiana Lecomte, Marcel Odenbach und Johanna Tinzl.Ziel der Ausstellung ist es, einen Einblick in die Kunst dieser von Krieg und Ideologie geprägten Jahre zu geben und den oftmals schmal verlaufenden Grat von „angepasster", „ideologischer" und „negierter" Kunst während der Zeit des Nationalsozialismus in Tirol aufzuzeigen. (Dr. Heinz Wieser)